Fachartikel

Aktives kurzfristiges Finanzmanagement

Die meisten Unternehmen haben bereits eine Finanzplanung, die im Idealfall voll integriert aus der Erfolgsplanung abgeleitet wird. Auch werden PLAN-IST-Vergleiche in der Regel auf Basis von Monatsergebnissen gemacht. Die Grundlage für derartige Vergleiche bilden vollständig abgeschlossene Periodenergebnisse. Dabei kann es sich zum Beispiel um Quartalsergebnisse oder Monatsergebnisse handeln.

Die Problematik bei derartigen Finanzplanungen und Vergleichen liegt jedoch darin, dass es sich dabei um über die Periode geglättete Werte handelt. Man denke dabei zum Beispiel an einen Personaldienstleister, der die Löhne seiner Mitarbeiter am 15. des jeweiligen Monats zu bezahlen hat. Der im Rahmen einer klassischen Finanzplanung errechnete, geglättete monatliche Durchschnittskontostand weicht erheblich vom Extremwert nach der Lohnzahlung ab. Möchte man sich im kurzfristigen Finanzmanagement verbessern, sei es zur Aufrechterhaltung der eigenen Zahlungsfähigkeit oder zur Optimierung der Kapitalkosten, ist ein kurzfristiges Finanzmanagement (Treasury) unumgänglich.

Dabei geht es darum, aus den aktuell verfügbaren liquiden Mitteln, den offenen Posten sowohl auf Kunden- als auch auf Lieferantenseite und den Kundenaufträgen sowie den eigenen Bestellungen den Finanzmittelbedarf zu berechnen und auf  Basis dieser Berechnungen entsprechende Veranlagungs- oder Finanzierungsentscheidungen zu treffen. Die Herausforderung dabei liegt darin, dass es notwendig ist, die Zahlungsströme möglichst lange in die Zukunft vorhersagen zu müssen. Sehr viele Unternehmen arbeiten hier eher unsystematisch und haben ein unvollständiges System zur Vorhersage und damit auch zur Disposition und/oder machen Doppelerfassungen. Erhöhte Kapitalkosten und verspätete Zahlungen sind die logische Konsequenz und das obwohl dies eigentlich nicht notwendig wäre. Die meisten Unternehmen verfügen über moderne ERP-Systeme, die diese Informationen in sich tragen.

Dazu ein Beispiel: Ein Produktionsunternehmen erhält einen Auftrag für die Produktion einer Stahlkonstruktion. Um den Auftrag abarbeiten zu können, müssen bei einem Standardlieferanten Profilrohre bestellt werden. Im Rahmen der Bestellung wird ein Liefertermin vereinbart, die Zahlungskondition des Lieferanten ist im ERP-System fix hinterlegt und ausgehandelt. Liefertermin und Rechnungslegung seitens des Lieferanten liegen zwei Werktage auseinander. Mit diesen Informationen kann der Zahlungsmittelabfluss für das Rohmaterial genau terminiert werden. Auf der Gegenseite wurde dem Kunden ein Lieferdatum zugesagt, das in jedem Fall eingehalten werden muss. Somit ist Lieferung und Rechnungslegung terminiert. Werden diese Informationen mit dem im Kundenstamm hinterlegten Zahlungsziel ergänzt, kann auch der geplante Zahlungseingang seitens des Kunden exakt berechnet werden. Natürlich sind auch Zahlungen zu berücksichtigen, die nicht aus klassischen Aufträgen oder offenen Postenlisten ableitbar sind. An dieser Stelle sind zum Beispiel Mieten, Steuern oder Lohnzahlungen zu nennen. Natürlich sind auch diese mit zu berücksichtigen.

Der Umgang mit überfälligen Zahlungen ist zu regeln. Ganz wesentlich für ein erfolgreiches Treasury ist es, immer mit aktuellen Daten zu arbeiten. Die Basisdaten für die Berechnungen müssen exakt zum gleichen Zeitpunkt bzw. bei identischen Buchungsständen gezogen werden, d.h. Kontostände von Bankkonten müssen mit offenen Postenlisten zusammengeführt werden, die 100% synchronisiert wurden. Anderenfalls gibt es die Gefahr, dass es zu Doppelzählungen kommt.

Ergebnis eines jeden kurzfristigen Finanzmanagements sollte eine übersichtliche Darstellung der vorhandenen liquiden Mittel und der erwarteten Zu- und Abflüsse sein. Um die Übersichtlichkeit zu bewahren und auch keine Scheingenauigkeit zu produzieren, empfehlen wir eine Darstellung auf Wochenbasis.

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